Branchenreport Bau & Baunebengewerbe
September 2026 · 10 Seiten · PDF, 4,7 MB. Dazu eine Executive Summary auf einer Seite (PDF, 0,3 MB). Der Report gehört zur Reihe Branchenreport 2026 mit zehn Branchen und baut auf der Registerstudie „Warten aufs Geld 2026“ auf.
Was der Branchenreport Bau 2026 zeigt
Für den Report wurden die offengelegten Jahresabschlüsse von 4.428 kleinen, mittelgroßen und großen Bauunternehmen und Betrieben des Baunebengewerbes ausgewertet. Zusammen weisen sie 4,1 Mrd. € an Forderungen aus, bei Bilanzsummen von zusammen 12,6 Mrd. €. Die typische Baugesellschaft bindet 33,1 Prozent ihrer Bilanzsumme in Forderungen, um 9,6 Prozentpunkte mehr als vergleichbare Unternehmen (23,5 Prozent). Bei 30,0 Prozent besteht mehr als die Hälfte der Bilanz aus Forderungen (Vergleichsgruppe 25,4 Prozent). Im Bau sind offene Forderungen der Normalfall.
Die Kennzahl zeigt nur einen Teil des Bildes. Was auf laufenden Baustellen steckt, aber noch nicht abgerechnet ist, steht in der Bilanz in der Regel bei den Vorräten. Einbehaltene Rücklässe dagegen sind Forderungen, die je nach Vertrag mehrere Jahre in der Bilanz stehen können. Bei der Liquidität unterscheidet sich der Bau kaum vom Rest der Wirtschaft: 44,6 Prozent halten Kassa und Bankguthaben von weniger als einem Viertel ihrer Forderungen, in der Vergleichsgruppe 44,3 Prozent. Wer so wenig Bargeld hält, kann den Ausfall eines großen Auftraggebers nicht aus eigener Kraft abfedern.
| Kennzahl | Bau | Vergleichsgruppe |
|---|---|---|
| Ausgewertete Gesellschaften | 4.428 | 56.346 |
| Forderungsquote (Median) | 33,1 % | 23,5 % |
| Forderungsquote über 50 % | 30,0 % | 25,4 % |
| Kassa-Deckung unter 25 % | 44,6 % | 44,3 % |
| Negatives Eigenkapital | 8,2 % | 12,4 % |
| Forderungsbestand zum Vorjahr gestiegen | 51,4 % | 51,9 % |
| Veränderung des Forderungsbestands (Median) | 1,5 % | 1,3 % |
Quelle: incaseof.law-Auswertung offengelegter Jahresabschlüsse (Firmenbuch, Republik Österreich, vertreten durch das BMJ), Geschäftsjahre 2024 und 2025; 36 große, 213 mittelgroße und 4.179 kleine Kapitalgesellschaften. Branchenzuordnung über den Geschäftszweig, ersatzweise den Firmenwortlaut.
Warum zahlen Bauherren und Auftraggeber so spät?
Bauforderungen entstehen nicht aus schlechter Arbeit, sondern aus der Art, wie am Bau abgerechnet wird. Der Report zeigt das an den Vertragsbedingungen eines kommunalen Auftraggebers auf Basis der ÖNORM B 2110. Die Fristen und Sätze stammen aus diesem Beispiel, andere Verträge regeln sie anders.
| Situation | Warum das Geld hängen bleibt | Was hilft |
|---|---|---|
| Schlussrechnung in der Prüfschleife | Die Bauaufsicht prüft den Rechnungsentwurf bis zu 60 Tage, danach läuft eine Zahlungsfrist von 60 Tagen. Sie beginnt erst mit der mängelfreien Rechnung. So vergehen bis zu 120 Tage. | Fristen erfassen und handeln, sobald die anerkannte Rechnung nach Fristablauf offen ist. |
| Deckungs- und Haftrücklass | 10 Prozent jeder Abschlagsrechnung bleiben als Deckungsrücklass beim Auftraggeber, 5 Prozent der Rechnung drei Jahre lang als Haftrücklass. Wer nach Fristablauf nicht nachfasst, wartet weiter. | Rücklassfristen wie Fälligkeiten führen und fällige Rücklässe konsequent einfordern. |
| Nachträge und Mängelrügen | Mehrkostenforderungen müssen im Beispielvertrag binnen 14 Tagen vorgelegt werden. Streit über einen Nachtrag hält oft die ganze Rechnung auf. | Den anerkannten Teil vom strittigen trennen und sofort einfordern. |
| Subunternehmerketten | Der Generalunternehmer zahlt, wenn er bezahlt wird. Seit Jänner 2026 ist wegen der Auftraggeberhaftung ein zusätzlicher Prüfschritt nötig. Fällt ein Glied aus, trifft es alle darunter. | Schnell handeln: Wer früh und konsequent handelt, steht nicht am Ende der Kette. |
| Regie, Material und Kleinaufträge | Regierechnungen, Materiallieferungen und kleine Aufträge im Ausbau werden nebenbei gemahnt und gehen im Tagesgeschäft unter. | Überfällige Rechnungen automatisch übergeben, samt Zinsen und Pauschale. |
Gemeinsam ist allen Mustern: Das Nachfassen hängt an der Bauleitung, die längst auf der nächsten Baustelle steht, oder an einer Person in der Buchhaltung, die es nebenbei erledigt. Nach dem European Payment Report 2026 melden 32 Prozent der österreichischen Unternehmen Produktivitätsverluste, weil Ressourcen in den Einzug überfälliger Forderungen fließen, mehr als doppelt so viele wie im europäischen Schnitt (Intrum, 2026).
Subunternehmer wird nicht bezahlt: Was bedeutet das für die Kette?
Bauherr, Generalunternehmer, Subunternehmer und Lieferant hängen aneinander, und wer oben später zahlt, schiebt das Warten nach unten weiter. Laut Intrum (European Payment Report 2026) zahlen im österreichischen Baugewerbe 88 Prozent der Unternehmen ihre Lieferanten verspätet, weil sie selbst verspätet bezahlt werden; gemeinsam mit dem Gastgewerbe ist das der höchste Wert aller Branchen.
Europaweit zeigt sich dasselbe Bild: 14 Prozent der befragten Bauunternehmen in Westeuropa melden, dass mehr als 60 Prozent ihrer B2B-Rechnungen überfällig sind, doppelt so viele wie bei Dienstleistern (Atradius, Payment Practices Barometer Western Europe 2026). Seit Jänner 2026 ist bei der Bezahlung von Bauleistungen wegen der Auftraggeberhaftung zudem ein zusätzlicher Prüfschritt nötig (Bundesinnung Bau, 2026).
Fällt ein Glied aus, trifft es alle darunter. 1.080 Bauunternehmen wurden 2025 insolvent, mehr als in jeder anderen Branche außer dem Handel; 295 dieser Verfahren wurden mangels Masse gar nicht eröffnet. Für die Gläubiger heißt das in aller Regel Totalausfall. Im ersten Halbjahr 2026 kamen weitere 485 Fälle dazu (Insolvenzstatistik der Gläubigerschutzverbände, 2026). Wer früh und konsequent handelt, steht nicht am Ende der Kette.
Schlussrechnung nicht bezahlt: Welche Schritte helfen?
Der Report nennt fünf Hebel, keiner davon erfordert neues Personal:
- Fristen wie Forderungen führen. Prüffristen, Zahlungsfristen und Rücklassfristen gehören in dieselbe Liste wie offene Rechnungen. Wer den Fristablauf kennt, kann am Tag danach handeln.
- Unbestrittenes vom Strittigen trennen. Streit über einen Nachtrag ist kein Grund, den anerkannten Teil der Schlussrechnung liegen zu lassen. Was anerkannt ist, gehört eingefordert.
- Rücklässe aktiv zurückholen. Deckungs- und Haftrücklass sind Ihr Geld. Nach Fristablauf gehören sie eingefordert wie jede andere fällige Forderung.
- Ansprüche geltend machen. Zwischen Unternehmen stehen bei Verzug Zinsen von derzeit 10,73 Prozent pro Jahr zu, dazu eine Pauschale von 40 Euro je verspäteter Rechnung, auch gegenüber großen Auftraggebern (Wirtschaftskammer Österreich). Automatisch berechnet, kosten sie keine Zeit.
- Früh übergeben, fair bleiben. Wer in einer Kette steht, in der fast neun von zehn Betrieben das Warten weitergeben, sollte nicht der Letzte sein. Ein externer, fairer Ablauf mit Ratenangebot schont die Beziehung zum Auftraggeber besser als monatelanges Nachtelefonieren durch die Bauleitung.
Wie hoch die Zinsen für eine konkrete Rechnung sind, rechnet der Verzugszinsen-Rechner aus. Wie Betriebe offene Schlussrechnungen übergeben, auch bei Mängelrüge, Teilzahlung und Haftrücklass, zeigt Inkasso für Handwerker.
Was kostet es, wenn Auftraggeber zu spät zahlen?
Das Rechenbeispiel des Reports geht von einem Baumeisterbetrieb mit 20 Mio. Euro Jahresumsatz im Hoch- und Tiefbau aus, mit rund 1.200 Abschlags-, Regie- und Schlussrechnungen pro Jahr, überwiegend an öffentliche Auftraggeber, Bauträger und Generalunternehmer.
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Jahresumsatz auf Rechnung | 20,0 Mio. € |
| Vereinbartes Zahlungsziel / tatsächliche Zahlungsdauer | 30 / 45 Tage |
| Durch Verspätung zusätzlich gebundenes Kapital (15 Tage) | 821.900 € |
| Finanzierungskosten dafür bei 6 % Kapitalkosten pro Jahr | 49.300 € |
| Verzugszinsen, die darauf zustünden (10,73 % pro Jahr) | 88.200 € |
| 40-Euro-Pauschale für rund 204 verspätete Rechnungen | 8.200 € |
| Kosten und ungenutzte Ansprüche pro Jahr | 145.700 € |
| Zusätzlich: Ausfallrisiko, rund 2 % des B2B-Umsatzes werden abgeschrieben | 360.000 € |
Größenordnung, keine Schadensschätzung. Annahmen laut Report: Zahlungsziel 30 Tage, tatsächliche Zahlung nach durchschnittlich 45 Tagen (Firmenkunden in Österreich zahlen im Schnitt 9 Tage nach Ablauf des Zahlungsziels, Intrum, 2026; für den Bau wird wegen der Prüf- und Freigabeschritte mit 15 Tagen gerechnet); 17 Prozent der Rechnungen verspätet; rund 90 Prozent des Umsatzes mit Unternehmen und öffentlichen Auftraggebern (Schätzung); Verzugszins 9,2 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz von 1,53 Prozent (Wirtschaftskammer Österreich); Abschreibungsquote rund 2 Prozent (Atradius, 2026); Kapitalkosten 6 Prozent wie in der Registerstudie. Rücklässe sind nicht eingerechnet.
Das Beispiel ist bewusst vorsichtig gerechnet. Es setzt nur 15 Tage Verspätung an, obwohl die Vertragsbedingungen im Beispiel oben für eine Schlussrechnung bis zu 120 Tage vom Entwurf bis zur Zahlung vorsehen. Und es enthält die Rücklässe nicht: Wäre der gesamte Umsatz mit einem Haftrücklass von 5 Prozent belegt, der drei Jahre einbehalten wird, stünden bei 20 Mio. Euro Jahresumsatz laufend rund 3 Mio. Euro beim Auftraggeber.
Wie incaseof.law anerkannte Bauforderungen einzieht
Anerkannte Schlussrechnungen, fällige Rücklässe, Regie- und Materialrechnungen werden konsequent durchgesetzt, Verzugszinsen laufen im selben Fall mit. Wird eine Forderung bestritten, etwa wegen Mängeln oder Nachträgen, kann der Fall über die Partnerkanzlei auf derselben Plattform weiterlaufen, ohne neue Akte und ohne neuen Ansprechpartner. 100 % der Forderung gehören Ihnen, die Kosten trägt der Schuldner.
Datenbasis und Methodik
Ausgewertet wurden die jüngsten offengelegten Jahresabschlüsse von 4.428 Bauunternehmen und Betrieben des Baunebengewerbes: 36 große, 213 mittelgroße und 4.179 kleine Kapitalgesellschaften. Die Branche wurde über den im Firmenbuch eingetragenen Geschäftszweig zugeordnet, ersatzweise über den Firmenwortlaut; in der händischen Stichprobe waren in dieser Branche 25 von 27 Zuordnungen zutreffend. Verglichen wird mit 56.346 Kapitalgesellschaften derselben Größenklassen, gewichtet auf die Größenstruktur der Branche. Mehr dazu im Methodikteil des Branchenreports und unter Studiendaten und Methodik.
Alle zehn Branchen im Vergleich zeigt der Branchenreport 2026.
Autoren
Dr. Maximilian Kindler, LL.M. MBA, Gründer und Geschäftsführer von incaseof.law, und Stephan Holzbach, MSc, Mitautor der Registerstudie „Warten aufs Geld“. Herausgeber ist die incaseof.law GmbH, Wien. Fragen zur Methodik und Presseanfragen beantworten wir über den Pressekontakt.